Wenn in Waltrop Sonne, Mond und Sterne aufgehen, dann hat das meist nichts mit gutem Wetter zu tun – sondern mit Karton, Leidenschaft und ganz viel Neugier.
Denn hier entstehen die faszinierenden Bausätze von AstroMedia, mit denen Kinder, Eltern, Lehrer und Bastler seit Jahrzehnten Naturwissenschaft zum Leben erwecken.
Alles begann mit einer Begeisterung für den Himmel. AstroMedia-Gründer und Lehrer Klaus Hünig wollte seinen Unterricht interessanter gestalten. Anfang der 80er-Jahre entwickelte er einen großen Sternenhimmel, eine kuppelförmige Sternkarte, mit der die Geschichte von AstroMedia begann. Den großen Durchbruch erlebte Tüftler Klaus Hünig einige Jahre später mit einer genialen Idee: einer Sonnensichtbrille zur totalen Sonnenfinsternis 1999. Die Nachfrage war überwältigend. 17 Millionen Brillen gingen im Vorfeld des 11. August 1999 über die Ladentische.
Eine dieser Brillen fiel in die Hände von Jürgen Lehmann – und auf ihr stand eine Telefonnummer: die von Klaus Hünig. Lehmann nahm Kontakt auf, und aus der gemeinsamen Begeisterung für Himmelsphänomene entwickelte sich eine Freundschaft.
„Ich war schon immer fasziniert von Sonne, Mond und Sternen“, erzählt Lehmann mit einem Lächeln. „Ich habe ihn einfach angerufen – und so fing alles an.“
Die Chemie stimmte sofort. Klaus Hünig entwickelte bald darauf die ersten Modelle, Jürgen Lehmann kümmerte sich um Produktion und Druck. So wuchs aus einer Idee eine Erfolgsgeschichte. Heute zählt AstroMedia zu den größten Anbietern von funktionstüchtigen Kartonbausätzen für wissenschaftliche Instrumente.
Wissenschaft zum Anfassen
Seit 2019 ist Lehmann Geschäftsführer und leitet in Waltrop gemeinsam mit seinem Team Einkauf, Marketing und Vertrieb der AstroMedia-Produkte.
„Wer mit unseren Produkten bastelt, lernt ganz nebenbei, wie Astronomie, Optik oder Physik wirklich funktionieren. Das Basteln gehört bei uns einfach dazu“, sagt Lehmann.
Die Kundschaft ist genauso bunt wie die Produkte: Lehrer, Eltern, Pfadfindergruppen, Ingenieure und Rentner. Schulen bestellen Bausätze in Klassengröße, um gemeinsam Sonnenuhren oder kleine Planetarien zu bauen. Die Produktpalette ist enorm: über 250 verschiedene Modelle – vom Solarprojektor, mit dem man gefahrlos die Sonne beobachten kann, bis hin zum spektakulären Kopernikus-Planetarium, einem der Highlights der Firma.
Und wer noch mehr wissen will, kann Gründer Klaus Hünig sogar bei der Arbeit über die Schulter schauen: Auf YouTube erklärt er in der AstroMedia-Reihe „Klaus erklärt“ die fertigen Modelle direkt von seinem Schreibtisch aus – lehrreich und immer mit einem Augenzwinkern.
Das Interesse geht weit über Waltrop hinaus. Bestellungen kommen aus ganz Europa und sogar aus Südkorea.
„Was bei AstroMedia entsteht, ist Handwerk mit Herz. Die meisten Bauteile stammen aus deutschen Druckereien, von Betrieben, die mit viel Know-how und Präzision arbeiten. Karton ist unser Fundament und unsere Seele“, sagt Jürgen Lehmann.
„Wir möchten vor allem eins: Wissenschaft erlebbar machen. Unsere Modelle sind für das Kind im Menschen gemacht“, sagt er. Und während draußen die Sonne scheint, drehen sich in der Werkstatt von AstroMedia kleine Planetenbahnen – ein Stück Weltall aus Karton.